Montag, 22. Februar 2016

trennungskultur

kevin und gloria haben sich getrennt. nach ca. zweieinhalb jahren. für kevin war es etwa die sechste beziehung, für gloria die siebte. warum sich der prinz und seine prinzessin getrennt haben, weiss niemand so genau. ist aber nicht so wichtig, es wird für beide nicht die letzte gescheiterte beziehung sein.

kevin und gloria sind einzelkinder, verhätschelt, behütet, geschützt, von einer horde angehöriger verteidigt. ihre realitätswahrnehmung ist auffällig. empathie-fähigkeit de facto nicht vorhanden. konflikt-kultur wurde nie entwickelt oder gebraucht. frustrationstoleranz und belastbarkeit braucht man nicht, das kompensieren die alten gerne. und was auch auffällt, kevin und gloria sind nie an etwas schuld. verantwortung ist nicht ihr ding. so lange sie es schaffen, schuldige immer außerhalb der beziehung zu finden, klappt es mit den beiden. das funktioniert bei kevin und gloria allerdings nie länger als drei jahre.

ob kevin und gloria glücklich sind, ist schwer zu sagen. finanziell wurden sie bestens abgesichert. kevin wurde von seinen alten in das finanzminsterium hineingeschoben und bekleidet dort einen job, wo er keinen schaden anrichten kann. gloria hat einen job im zeitschriftenverlag ihres onkels gefunden. sie leitet die anzeigenabteilung. zumindest pro forma. sie ist so mit terminen und tagungen und dienstreisen eingedeckt, dass sie selten im büro ist. eine dauerhafte verantwortungsbewusste tätigkeit ist ihre sache nicht. sie legt wert auf eine gewisse animation und besonders auf work-life-balance. der laden wird von einer hervorragenden assistentin geschaukelt, die sehr gut verdient, aber eben nicht so viel wie die lieblingsnichte vom onkel. und wenn die leiterin der abteilung wieder mal was verbockt, muss sie das ausbügeln. das leben ist halt nicht immer fair.  

was kevin und gloria jedenfalls beherrschen, ist eine gewisse trennungskultur. wird ihre beziehung fade, beginnen sie sich anzuekeln und kommen zum einvernehmlichen beschluss, dass der jeweils andere schuld ist. die trennung geht dann schnell, die trauer ist kurz, mit ein bisschen mitleidsmasche steht schon bald die nächste gloria auf der matte. beide sind ja nicht unattraktiv. dass sie einen knall haben, nehmen die meisten in dieser beziehungsklasse nicht wahr.

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