Mittwoch, 10. Februar 2016

furien-modus

jeremias ist mediator. sein hauptbetätigungsfeld sind trennungssituationen nach längeren beziehungen. aufgrund seiner ausbildung und seiner tätigkeit hat er gute einblicke in die weibliche und die männliche seele insbesondere in konflikt-situationen.

jeremias ist aufgefallen, dass die verhaltens-flexibilität bei frauen auffallend größer ist als bei männern. frauen besitzen idr. ein wesentlich weiteres verhaltensspektrum und reagieren wesentlich schneller und wesentlich präziser auf veränderungen in ihrer umwelt. eine frau kann zb. bei erscheinen ihres ex-partners ohne zeugen in den furien-modus wechseln. sobald die tür aufgeht, und eines ihrer kinder reinkommt, wechselt sie in den fürsorge-modus. geht das kind und kommt die schwiegermutter, wechselt sie in den scharf-modus. klopft der nette briefträger an die tür, wird auf  den liebenswürdig-modus umgeschaltet. kommt die zickige arbeitkollegin bei der tür rein, kommt der ich-beisse-gleich-zu-modus zum vorschein. kompliziert wird es, wenn ein sehr netter kollege im raum ist und eine angriffige rivalin.

im mediationsprozess hat jeremias gelernt, mit dieser weiblichen verhaltensvariabilität gut umzugehen. er kennt auch viele kollegen, die das nicht durchschauen wollen oder können. im direkten gespräch ist frau nett, freundlich, kooperativ, kein wölkchen hätte die beziehung je trüben können. gehen die beiden bei der türe raus, wird auf intrige-modus umgestellt, neue forderungen proklamiert, drohungen ausgesprochen, machtverhältnisse geklärt. deshalb sorgt jeremias auch dafür, dass seine mediationskunden getrennt seine mediationspraxis verlassen. zumindest bis die stresskeule zwischen den klienten abgebaut ist. und er fordert seine kunden auf, alles in diesem konflikt vorkommende zumindest notizenhaft zu vermerken, um es aufarbeiten zu können. so lange seine kundinnen nämlich im mediationsprozess in der ich-bin-ja-immer-so-lieb-rolle bleiben, ändert sich im konflikt nichts und es löst sich nichts auf.

die schwierigsten kundinnen sind laut jeremias die mit dem ausgeprägtem furien-modus. da gibt es den direkten und den indirekten furien-modus. der direkte wird idr. dem (ex)partner gegenüber gefahren, meist wird die anwesenheit von zeugen vermieden. fallweise kommt es aber auch vor, dass kleinkinder auch dabei sind.  tritt eine dritte person in die kommunikation ein, liegt der direkte furien-modus sofort auf eis.

beim indirekten furien-modus oder auch intrigen-modus wird bewusst mit stimmungen gearbeitet. häufig setzt sich die frau in die opferrolle, ersucht um verständnis, mitleid, zuneigung. dass sie ihre situation selbst mitverursacht haben könnte, wird geflissentlich verdrängt. sie wählt auch bewusst aus, wem sie in dieser form begegnet. gegenüber menschen, mit denen zb. ein rivalisierendes verhältnis gepflegt wird, vermeidet frau diesen modus vollkommen, weil sie dort statt mitleid nur schadenfreude ernten würde.

wie kommt es zu einem ausgeprägten furien-verhalten? laut jeremias handelt es sich überwiegend um frauen, die emotional sehr schwach entwickelt sind. nicht selten haben sie furien-verhalten in ihrem umfeld erlebt und erkannt, dass man sich damit erfolgreich durchsetzen kann. dieses verhaltensmuster wird dann übernommen. wenn aggressives furien-verhalten nun von der umwelt nicht sanktioniert wird, wird es zu einem dauerhaften verhaltensmuster und kann an intensität massiv zunehmen. frauen mit hoch entwickeltem empathie-vermögen, eigenverantwortungsbereitschaft und einer realistischen selbstwahrnehmung entwickeln diesen furien-modus kaum.

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