Samstag, 9. Januar 2016

schwieger-nutte

alfons berichtet in der selbsthilfegruppe. er ist vater von drei kindern, geschieden, getrennt lebend und wird mithilfe des jugendamts seit drei jahren vollständig von den kindern weggesperrt. nachvollziehbar sei diese kontaktsperre für ihn nicht, denn er habe sich wissentlich nichts zu schulden kommen lassen, aber gegen das komplott seiner ex-frau mit ihrer mutter komme er einfach mit keinem rechtsmittel an.

die beziehung sei nie irgendwie belastet gewesen. als der schwiegervater starb, begann sich die schwiegermutter, die er nun wenig diplomatisch schwieger-nutte nennt, zusehends in das leben seiner familie einzumischen. seine frau, das einzige kind in der familie, konnte der mutter keinen widerstand leisten und liess sie gewähren. es gab kein thema mehr, wo die gnädige nicht die regeln vorgeben wollte. ihm schien, sie hat damit auch ihren gatten in den vorzeitigen tod getrieben.

immer mehr stellte sie sich zwischen alfons und seine frau. irgendwann begannen auch die kinder zu revoltieren, bis schwieger-nutte einen sündenbock installieren konnte, der nun an allem schuld ist.

als alfons nach zwei wochen von einer dienstreise aus amerika zurück kam, war es geschehen. die schlösser getauscht, seine koffer gepackt im flur stehend, um sie beim läuten zwischen tür und angel durchzuschieben. seine frau versucht gefasst, ihm klar zu machen, dass er hier nicht erwünscht ist, bis schwieger-nutte etwas lauter das wort ergreift. alfons hat gerne seine koffer in die hand genommen und ist fürs erste in den lift geflüchtet. im foyer wartend, eineinhalb stunden nachdenkend, wo er nun hin soll, hat er unterschlupf in einer leeren wohnung eines bekannten gefunden, sogar den zugriff auf das gemeinsame konto hatte man ihm gesperrt. nicht schön, wenn das gehalt auf ein konto überwiesen wird, auf das man keinen zugriff mehr hat.

nach etwa einem monat hatte alfons sein leben wieder so im griff, dass er arbeiten konnte, eine funktionierende bankomatkarte hatte und ein einigermaßen ziviles leben wieder führen konnte. außer den koffern samt ein bisschen dokumenten hatte er von seiner ex-frau nichts mehr bekommen, einiges musste, weil es angeblich verloren gegangen, nachbeschafft werden.

die scheidung erfolgte rasch. widerspruch zwecklos. die schwieger-nutte hätte alles bezeugt, was nur irgendwie zu bezeugen war. dabei hatte er noch glück. denn in ihrer wut hätten die auch einiges dazu konstruieren können, was ihm mit sicherheit das genick gebrochen hätte.

kurze zeit nach dem rauswurf wurden die kinder verhaltensauffällig. jedes auf seine eigene art. da musste einiges an gehirnwäsche im spiel gewesen sein, denn sogar mit sachverständigen wurde bezeugt, dass an allem nur der vater schuld sein könnte. er wundere sich immer noch, dass diese schwach-verständigen, wie er sie nennt, das spiel von mutter und schwieger-nutte nicht durchschauten.

alfons lebt nun in einer beziehung mit einer witwe. ihr mann war wenige wochen nach seinem rauswurf mit dem auto verunglückt. sie kannten sich schon vorher. sie begannen rasch viel miteinander zu reden, versuchten füreinander da zu sein und nach zwei jahren beschlossen sie, endgültig zusammen zu ziehen. wobei sich alfons ausbedungen hat, dass ihre mutter nicht in ihrer wohnung einzieht. seine neue partnerin hat mit einem lächeln auf den lippen zugestimmt.


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