Donnerstag, 8. Februar 2018

kontrollfreakIN

eigentlich nur ein belangloser plausch auf einer party. irgendwie kommen wir aufs thema kontrolle zu reden. mein gesprächspartner hat eine scheidung hinter sich und würde seine ex-frau durchaus als kontrollfreak bezeichnen. ihn nie richtig unter kontrolle gebracht zu haben, hat sie immer irgendwie gestört.

"was mir aber auf den sack geht, ist, dass diese frau auch nach der scheidung keine ruhe geben kann. sie schafft es, poststücke an mich abzufangen oder abfangen zu lassen. ich trau mir das ja normalerweise gar nicht zu sagen, weil jeder sofort annehmen könnte, ich würde unter verfolgungswahn leiden."

irgendwie schien der junge mann aber so viel vertrauen gefunden zu haben, dass er sich jetzt offen mit mir darüber zu reden getraut.

"am anfang waren es eher belanglose poststücke, die irgendwie nicht angekommen sind. wenn es nicht wirklich wichtig ist, vermisst man die auch nicht und es fällt gar nicht auf. und wenn etwas nicht eingeschrieben gesendet wird, kann es auch im postkasten des nachbarn landen, der es einfach wegschmeisst. ja solche nachbarn gibt es auch. es kam auch mal vor, dass ein kuvert irgendwie in eine zeitung gerutscht ist, und durch zufall wieder aufgetaucht ist, weil die zeitung doch noch gelesen wurde. wär sie nicht gelesen worden, wär das kuvert mit der zeitung direkt in die papiertonne gewandert."

"und dann ist der kontrollmafia leider ein folgenschwerer fehler passiert. ein brief wurde abgefangen, geöffnet, um ca. zwei drittel des inhalts erleichtert und geöffnet wieder zur post gelegt. es sollte so aussehen, dass der brief falsch zugestellt wurde, dort versehentlich geöffnet und dann einfach in den richtigen postkasten geworfen wurde. der ganze briefinhalt liess sich rekonstruieren. zufälligerweise war der besagte brief vom aufgabetag bis zum vorfinden bei der post unauffällige 13 tage unterwegs."

für mich hört sich die geschichte etwas dubios an. sollte der briefträger vielleicht für die "kontrollmafia" arbeiten? mein gesprächspartner erklärt mir die umstände. der briefkasten wird für mehrere empfänger genutzt. "wer die post zuerst vom briefkasten abholt, teilt sie auf die empfänger auf. mein gesprächspartner ist oft mehrere tage nicht da. er könne daher nicht ausschliessen, dass einer der anderen postempfänger unter dieser adresse mit der ex-frau kollaboriere.

vorsicht sei die mutter der porzellan-kiste, meint der junge mann. er versucht nun so weit wie möglich, seinen ganzen postverkehr auf eine andere adresse umzustellen. das sei aber ein langwieriges unterfangen. und er denkt nach, wie er den täter überführen könnte. aber darüber wollte er mir aus verständlichen gründen nichts sagen.

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