Sonntag, 5. November 2017

trottel auf abruf

heinz ist ein kollege in einem sportverein. er ist seit einiger zeit single und erzählt mir seine geschichte.

heinz hatte etwas länger als ein jahr eine tolle beziehung mit sara. irgendwie glaubte er, in ihr seinen lebensmenschen gefunden zu haben. von ihr nahm er das auch an. eines tages meinte sie, sie wolle jetzt etwas allein sein. also sah man sich nur mehr zwei- oder dreimal die woche. heinz stellte auch fest, dass sich der umgang änderte. sara fing an, an ihm herumzumäkeln und ihn zu provozieren. wenige wochen später wollte sie ihn nur mehr einmal pro woche sehen. ein dumpfes gefühl machte sich bei heinz breit. irgendwas könne da nicht stimmen. offen über anstehende probleme zu reden wagte heinz inzwischen nicht mehr.

allmählich eröffnete sara, sie würde sich nun für andere dinge interessieren, ihre freiheit genießen wollen, und wenn es ihm nicht gefalle, könne er sich ja trennen. sie würde sich hinkünftig nur mehr einmal in vier wochen treffen wollen. heinz verstand die situation nun überhaupt nicht mehr. er bemühte sich um klärung. wolle sich sara jetzt vollkommen trennen, oder wäre es eine phase, nach der man wieder zu einer tollen beziehung zusammenfinden könne? sara legte sich diesbezüglich über zwei monate nicht fest, bis sie meinte, sie können sich keine beziehung mehr vorstellen. zwei monate fühlte sich heinz wie ein "trottel auf abruf!". nun machte heinz auch formell mit sara schluss.

nun hatte sich bei heinz in den letzten wochen einiges an wut und zorn angesammelt. letztendlich ist er explodiert und hat sara ein paar dinge ins gesicht gesagt, die er dann jedoch bereute. es war selbst für ihn nicht vorstellbar, dass man so wütend und so ausfällig werden könne. es war für ihn auch nicht vorstellbar, dass eine tolle beziehung in drei monaten vollkommen in eine hassbeziehung kippen kann.

jetzt empfinde er nur mehr hass und wut, wenn er an seine ex-freundin denke. die zuneigung zu ihr sei vollkommen weg. veranstaltungen wo er sie vermute, meide er, oder verlasse sie vorzeitig. eine zeitlang ließ er sich eifersucht vorhalten. wenn dir ein mensch wichtig ist, dann interessierst du dich auch für ihn, manchmal leidest du auch mit ihm. dieses mitgefühl ist jetzt vollkommen weg. alles was er von ihr noch hört, nimmt er zur kenntnis, aber es sei jetzt allein ihr problem. in der beziehung hätte er gewusst, wie er sie dabei unterstützen könne. jetzt ist es ihm egal. das kannst du nur so akzeptieren, meint er, und eine absolute trennlinie ziehen. solche menschen darfst du nicht mehr in dein leben lassen.

sein frust ist auch nach mehreren monaten noch nicht sichtlich verraucht. wenn sie ihm irgendwo unterkäme, frage er sich immer noch, "was macht die dämliche karnaille da?". heinz vermutet sein verhalten auch von den vorhergehenden beziehungen beeinträchtigt. es wäre ihm auch vorher schon mind. zweimal passiert, dass frauen aus absolut nicht nachvollziehbaren gründen emotional vollkommen wegkippen. auch über sara erfuhr er, dass sie sich schon zweimal oder möglicherweise schon öfter so aus beziehungen entfernt hat. die ex-männer kenne er nicht, er wisse nun aber, wie sich das bei ihnen angefühlt haben muss.

ich frage heinz wie er jetzt mit der situation umgehe. heinz meint, er könne sehr gut unterscheiden. es seien nicht alle frauen wie sara, die dich rankommen lassen und dich dann wieder unelegant hinausekeln. es gäbe sicher auch männer, die ein ähnliches unlogisches verhalten praktizieren.

beziehungstechnisch sei er derzeit froh, wenn er seine ruhe habe. ergibt sich eine bekanntschaft, ist er sehr vorsichtig. so gut sind seine seelischen wunden noch nicht verheilt, dass er nicht ein wiederaufbrechen befürchte. und meist kämen ihm ja frauen unter, die auch schon mehrere beziehung hinter sich hätten. da muss es ja auch schon gründe gegeben haben, warum diese beziehungen gescheitert sind.

heinz verbringt auffällig viel zeit im sportverein. da kann er ungezwungen seine sozialen kontakte pflegen. und möglicherweise begegnet ihm dort wieder eine tolle frau, zu der er wieder vertrauen findet. die hoffnung sterbe zuletzt, meint er.



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