Montag, 26. Januar 2015

der leihvater

auf einer tagung lerne ich franz kennen. mittagspause, kaffee, aula. ich glaube, er hieß nicht wirklich franz, aber das ist eh wurscht.

franz ist unternehmer und macht sich gedanken über den weiterbestand seiner firma. no er ist vielleicht 50 und macht sich jetzt schon gedanken. ich frage ihn, ob er in der familie jemand habe, der sich für das gewerbe interessiere. franz ist nicht verheiratet und hat einen ledigen sohn. doch dabei ist er sich nicht so sicher. die mutter seines angeblichen kindes erzählt ihm seit fünf jahren, dass er nicht der vater des kindes sei, ja sogar gar nicht sein könne. 

so viel offenheit in fünf minuten einem vollkommen fremden gegenüber überrascht mich doch. franz erzählt weiter. er habe ein gutes verhältnis zum kind. und habe akzeptiert, dass es sehr wahrscheinlich nicht von ihm sei. die alimente seien für ihn kein problem. also sie waren es bis vor kurzem nicht. die mutter des kindes sei jetzt auf einem selbstverwirklichungstripp und urgiere über das jugendamt eine verdopplung der alimente. worauf sich franz irgendwie nachvollziehbar etwas verarscht vorkommt. wenn dir eine frau schon eine fremde brut unterschiebt, sollte sie mit ihren vorstellungen doch etwas auf dem boden bleiben. das gefühl, eine fremde brut durchzufüttern, lässt ihn inzwischen nicht mehr los.

ich frage ihn, ob er die vaterschaftsfrage schon geklärt hat. er verneint. bis jetzt sei ihm das inzwischen freundschaftliche verhältnis zum kind wichtiger gewesen. aber jetzt wird die mutter  hinterfotzig. sie hält sich an keine mündlichen vereinbarungen mehr. und er könne den einfluss der umwelt nicht wirklich gut einschätzen. am schlimmsten seien diese büro-huren (oder hat er sie als büro-karnaillen bezeichnet, kann ich nicht mehr sicher sagen), die sich gegenseitig aufwiegeln und aufhussen. und das jugendamt, das nun drauf und dran ist, mit der beziehung zu diesem kind emotionalen druck herzustellen. es ginge ihm ja nur ums geld, diesem schnodrigen unternehmer. nein ums geld gehts nicht. es geht um ein kind, von dem er wisse, das es nicht von ihm ist und zu dem er ein freundschaftliches verhältnis aufgebaut habe. und jetzt fielen ihm diese unnötigen arschlöcher damit alle in den rücken. hat ihm ein paar schlaflose nächte beschert. die beziehung hat er beendet. er hat nichts gemeinsames mit seiner ex-freundin mehr. nur mehr das kind, das er sich von ihr unterjubeln habe lassen. und über das er nachdenkt. ob es nicht besser wäre, diese freundschaft zum kind bis auf weiteres ruhen zu lassen, um von der mutter und vom jugendamt nicht mehr emotional erpresst werden zu können. das kind wird diesen machtkampf nicht verstehen. er hofft, das er es eines tages verstehen wird. in seinem zorn wäre es für das kind besser, bis auf weiteres keinen kontakt mehr aufrecht zu erhalten.

franz arbeitet jetzt sehr viel. sonst käme ich über diese hinterfotzigen arschlöcher nicht mehr hinweg. und aufs bezirksgericht muss er jetzt. er hat beschlossen, sich seine nicht-vaterschaft attestieren zu lassen. irgendwie wär er wieder froh, wenn etwas ruhe einkehren würde, hab ich das gefühl.

die pausenglocke läutet, der nächste vortrag beginnt. es fällt mir schwer, mich auf das fachthema zu konzentrieren. seine geschichte beschäftigt mich nach einem jahr immer noch.

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